Bad Freienwalde - Der älteste Kur- & Badeort der Mark Brandenburg - : Stadtrundgang
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1a-Einkaufsstadt

Historischer Stadtkern

Ein historischer Rundgang durch Bad Freienwalde (Oder)

Ausgangspunkt unseres Rundgangs durch die Geschichte der alten
Badestadt ist der Bahnhof, im Jahre 1900 in roten Backsteinen fertiggestellt.

 

Von hier aus erreicht man in wenigen Minuten das Stadtzentrum. Zunächst folgen wir der Bahnhofstraße, die hinter der Stadtbrücke über den Freienwalder Landgraben in die Karl-Marx-Straße übergeht. Nach dem Überqueren der Brücke passieren wir das 1957 eingeweihten Postgebäude, vor dem ein Gedenkstein den höchsten Stand des Oderwassers von 1947 anzeigt.

Hier etwa beginnt der dreieckige Markt, an dessen oberen Ende die Nikolaikirche steht. Die große Eiche ist 1887 anläßlich des 90. Geburtstages Kaiser Wilhelms I. als " Kaisereiche " gepflanzt worden. Die weiter oben stehende Linde stellt auch einen Jubiläumsbaum dar. Sie wurde 1913 zur 100 jährigen Wiederkehr des Sieges über Napoleon gepflanzt.
Neben der Linde steht ein Tröpfelbrunnen aus Porphyr mit einer bronzenen Säule. Sie zeigt Motive aus dem Oderbruch und der Badegeschichte Freienwaldes.

Von diesem Standpunkt aus schauen wir auf die spätklassizistische Fassade des Freienwalder Rathauses. Hoch oben im Giebeldreieck über dem Eingang ist das Stadtwappen abgebildet. Das Rathaus wurde 1855 neu erbaut und erhielt 1926 den Ratssaal oben aufgesetzt.
Hinter dem Ratshaus steht am Schulplatz das 1872 errichtete Kreishaus, dessen äußere Formen allerdings erst aus den Jahren 1925/26 stammen. Im Trottoir vor dem Haupteingang ist das Monogramm des alten Kreises Oberbarnim eingelassen, den es seit 1952 nicht mehr gibt. An das Kreishaus hat man in den 20 er Jahren die Landratsvilla angebaut, hinter der sich früher ein prächtiger Garten erstreckte. Wir wenden uns nun der Nikolaikirche zu, dem ältesten Gebäude der Stadt. Im 13. Jahrhundert in Feldsteinen begonnen, hat man sie schließlich im 16. Jahrhundert in Backsteinen fertiggestellt. Zuletzt ist 1522 der Turm angebaut worden, und zwar an die Südwestecke, was der Kirche ein malerisches Gesamtaussehen verleiht.


Im Inneren zeigt St. Nikolai eine einheitliche Renaissanceausstattung von 1624 mit Altar, Kanzel, Ratsherrengestühl und Empore. Der Taufstein ist das älteste Stück der Ausstattung und dürfte aus dem Anfang des 13. Jahrhundert stammen.
Gegenüber der Kirche fällt die spätbarocke Fassade des Oderlandmuseums auf. Das Kreismuseum des Kreises Bad Freienwalde ist in diesem einst adligen Freihaus von 1774 seit 1952 untergebracht. Als Kreismuseum des Kreises Oberbarnim ist es bereits 1889 gegründet worden. Im Türoberlicht steht das Monogramm des Herrn von Loeben auf Garzau, der sich dieses Haus einst erbaute. Die ständige Ausstellung des Oderlandmuseums vermittelt einen Überblick über die Kulturgeschichte des Oderlands, in Zukunft auch des Kreises Märkisch Oderland und der Stadt Bad Freienwalde.



Wir biegen nun in die Hauptstraße ein, die seit 1840 Königstraße hieß und sich nach 1933 mehrere Umbenennungen gefallen lassen mußte. Auf der rechten Seite kommen wir an einigen denkmalgeschützten Bürgerhäusern vom Ende des 18. Jahrhundert vorbei und werden sogleich auf das leuchtende Fachwerkgebäude der Georgenkirche aufmerksam. Schon im Mittelalter stand hier außerhalb der Stadteinfriedung das Hospital St. Georg mit einer hölzernen Kapelle, die 1692 wegen Baufälligkeit abgerissen werden mußte. 1696 entstand an ihrer Stelle unter Leitung des Magdeburger Baumeister Bernd Ringelahn das heutige Fachwerkhaus in schlichtem Ständer - Riegel - Fachwerk mit dem charakteristischen Dachreiter. Das Kirchlein sollte schon mehrmals abgebrochen werden, zuletzt 1977. 1978 begann dann allerdings unter vielen Schwierigkeiten die umfassende Rekonstruktion, die bis 1986 andauerte.
Seitdem dient die Kapelle als Konzerthalle, ausgestattet mit einer Orgel der Fa. Sauer Frankfurt/Oder.


Wir folgen der Hauptstraße noch einige Meter und biegen dann in die Rathenau ein. Sie mündet in den Schloßpark, von dessen bewaldeten Höhen man herrliche Fernsickönigliche Schlohten über der Stadt genießen kann. Im unteren Teil des Parkes stehen drei Gebäude; das einst königliche Schloß, das Teehäuschen und das Gärtnerhaus. Die Anlage des Schloßgartens geht auf die regelmäßigen Aufenthalte der preußischen Königin Friederike Luise in Freienwalde seit etwa 1790 zurück.
Um diese Zeit ließ sich die Königin in Ihrem Park einen Pavillon errichten, das sogenannte Teehäuschen.

 

Es ist von einem verbretterten Säulenumgang umgeben und diente ursprünglich als Spielstätte für wandernde Theater - und Musikgruppen zur Unterhaltung der Hofgesellschaft. 1789/90 ließ König Friedrich Wilhelm III. für seine Mutter unweit des Teehäuschen vom preußischen Landbaumeister David Gilly ein Landhaus erbauen - das Freienwalder Schloß. Hier wohnte die Königin bis zu ihrem Tode im Jahre 1805 jeden Sommer. Die kunstgeschichtlich sehr wertvolle Innenausstattung ist nach 1945 durch Plünderung und Mißachtung weitgehend verloren gegangen. Im Schloß hat seit 1991 die Walther Rathenau Stift Gemeinnützige GmbH ihren Sitz. In einer ständigen Ausstellung wird der Besucher über die Geschichte des Schlosses informiert. Gleichzeitig erfährt man Wissenswertes über Leben und Werk Walther Rathenaus, der von 1909 bis 1922 Besitzer des schönen Anwesen war.


Er hat Schloß und Park liebevoll restaurieren lassen. Seine Erben überließen nach der Ermordung Rathenaus Schloß und Park dem damaligen Landkreis Oberbarnim.

Auf der Terrasse vor dem Schloß, auf dem man im Sommer sitzen und Kaffee trinken kann, steht ein Kunstwerk aus Gußeisen. Es handelt sich um einen Ofen mit einer Replik der berühmten lldefonso - Gruppe als Aufsatz, um 1830 in Lauchhammer gegossen.
Am Teehäuschen vorbei gehen wir jetzt den Park entlang bis zum Soldatenfriedhof, auf dem über 1600 sowjetischen Soldaten beigesetzt sind. Danach folgen wir der Berliner Straße bis zur August - Heese - Straße, die links vor dem ehemaligen Krankenhaus ( 1939 erbaut ) einbiegt. Es geht bis zur Maltzahnstraße bergauf, in die wir nun einbiegen. Die bewaldeten Berge linkerhand heißen Monte Caprino, die auf der rechten Seite Casa Rivera. Am Ende der Straße erreichen wir am Fontaneplatz das Brunnental.
Am Fontaneplatz steht eine 1988 aufgestellte Bronzebüste des märkischen Dichters und Wanderers Theodor Fontane, der sich oft und gern in Freienwalde aufhielt. Vom Fontaneplatz führt die Sonnenburger Straße in Richtung Baa-See, einem beliebten Ausflugsziel in dem Freienwalder Forst.
Wir folgen aber der Gesundbrunnenstraße und haben nach wenigen hundert Metern den Kurpark erreicht. In seiner ursprünglichen Anlage entstand er nach einem Plan des berühmten Peter Joseph Lenne. Das Areal ist nicht sehr groß, doch es verleihen ihm durchdachte Wegführungen und Sichtachsen Weiträumigkeit und Eleganz.

Der Papenteich war der Stauteich einer Wassermühle. Er wird von den Quellen gespeist, die aus den hinteren Berghängen des Brunnentals das Wasser liefern. Gegenüber dem Teich steht eine Plastik aus Marmor. Es handelt sich um eine allegorische Darstellung des Winters, geschaffen 1862 von dem Bildhauer Joseph von Kopf.

Das mondän wirkende Kurhaus wurde 1875 als luxuriöses Hotel erbaut und eingerichtet. In seinem Innern befindet sich der prächtigste Festsaal der näheren und weiteren Umgebung. Rechts hinter dem Kurhaus steht seit 1993 die neue Fachklinik mit 210 Betten. Unter Anwendung des heilkräftigen Freienwalde Niederungs-Torfmoores ( seit 1840 ) werden hier vorwiegend Patienten mit rheumatischen Erkrankungen behandelt.

Wo sich das idyllisch gelegene Brunnental wieder verengt, läßt die Kurfürstenquelle. seit 1900 ihr Wasser sprudeln. Hoch oben, von der Brunnenquelle aus, kann man das Brunnental mit den Gebäuden des Gesundbrunnens überblicken und schaut in die herrliche Freienwalder Landschaft.
Wir wandern nun die Gesundbrunnenstraße wieder zurück bis zum Fontaneplatz. Dort biegen wir rechts in die Goethestraße ein und kommen bald an prächtigen Villen aus dem Ende des 19. Jahrhundert vorbei. Hinter der 1891 erbauten katholischen Marienkirche liegt der jüdische Friedhof. Von Grabsteinen ist hier nichts mehr zu sehen, bis auf ein Denkmal am oberen Ende der terrassenförmig ansteigenden Anlage. Die Stadt hat es 1950 zum Andenken an ihre vertriebenen jüdischen Mitbürger errichtet.

Über die Melcherstraße erreichen wir den Aufgang zum Galgenberg, auch Wilhelmshöhe genannt. Auf der Bergeshöhe steht seit 1879 der Aussichtsturm, an dessen Sockel eiserne Gedenktafeln für die Gefallenen des Kreises Oberbarnim in den preußisch - deutschen Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 befestigt sind. Schon von hier hat man einen herrlichen Rundblick über die Stadt und das Niederoderbruch. Von der Höhe des Turmes ist die Aussicht natürlich noch beeindruckender. In der Ferne liegt im Norden die Neuenhagener Insel mit dem bewaldeten Endmoränenzug.

Nach Osten sehen wir das silbrige Band der Stromoder und die Höhen der heute polnischen Neumark. Nach Süden schauen wir bis nach Wriezen und nach Westen in die Rotbuchen - Traubeneichen - Mischwälder des Freienwalder Waldkomplexes.

Dr. Reinhard Schmook
Leiter des Oderlandmuseums

 

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